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Krisenruine Wildbad 2010

Wildbad - Horror - final destination schwäbisch





Berlin (Kalaschnikow) - Im heutigen Leben gehört die Welt einzig den Dummen, den Selbstgefälligen und den Umtriebigen. Das Recht zu leben und zu triumphieren erwirbt man heute mehr oder minder mit den gleichen Mitten, mit denen man die Einweisung in ein Irrenhaus erreicht: die Unfähigkeit zu denken, die Unmoral und die Übererregtheit.
Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

Es ist Wintersaison in der nordschwarzwäldischen Kurruine Bad Wildbad und weil keine Gäste da sind, spielt man blinde Kuh, säuft sich die Hucke voll oder erzählt den Leuten in Hochglanzbroschüren was vom Amtselch und im SCHWARZWÄLDER BOTEn von seinem entfernten Verwandten, dem russischen Investorenelch, der bald zur Bescherung kommen werde. Der kommt, wie man weiß, in der Regel nur zum Fell–über-die Ohren-ziehen und daran ist man in der Kurruine an der Enz seit dem legendären Prekärbürgermeister und €-Grab Dr. Walter Jocher bestens gewöhnt.

Bad Wildbad, im touristisch weitestgehend erledigten Nordschwarzwald gelegen, macht auf den Besucher einen erschütternden Eindruck. Die wenigen Bewohner der Stadt, die keine mehr ist, scheinen dem zufällig sich hierher Verlaufenen zu bedeuten: Wir brauchen wenig, unsere Gäste nix! Landesvater und designierter Eurobeamter Oettinger gibt indessen auf you tube den Vollhorst auf englisch (besser: schwenglisch!) und macht so das Ländle populär wie sonst nur Dieter Bohlen die Dämlichkeit.

De facto läuft in der Horrorruine Wildbad, wie in der gesamten Republik, der Schuldenstand weiter auf. In der Gesellschaft des Spektakels ist dies in erster Linie ein Problem der Darstellung, denn an eine Lösung ist so wenig zu denken wie an ewiges Leben, Abschaffung des Beamtenpöbels oder Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Vor dem Hintergrund drohender Landebankenpleiten usw., Staatspleiten und fulminanter Unternehmenskonkurse nimmt sich das Schicksal von Privatpersonen und ihren Aufbewahrungsorten heutzutage wenig eminent aus. In der Tat kommt es auf keinen mehr an.

Wer noch mithalten kann, integriert ist, sich und anderen weismacht, er habe einen Beruf o.ä., verfügt mtl. mindestens über 2000 netto, schimpft gern auf Finanzamt und andere Miesmacher, auf die steigenden Preise im Fitness-Studio, hält sich Arbeitslose und andere Kranke vom Leib und dankt jeden Tag dem lieben Gott für Aldi, Lidl und seine Gesundheit, für sein Auserwählt- und Davongekommensein. Der Rest ist Hobby.

Toxische Aufbewahrungsorte wie Bad Wildbad, dessen Trinkwasser zum Teil durch eine historische Giftmüllhalde auf dem lauschigen Gebiet der sog. Tannmühle kontaminiert ist, reagierten auf derartige Realitäten und andere schlechte Nachrichten wie manche Patienten, denen der Arzt reinen Wein hinsichtlich ihrer kurzen Lebenserwartung einschenkt; eine solche Reaktionsweise wäre als „Abwehr im Affekt“ angemessen zu qualifizieren.

Wildbad ist jedoch kein Patient mehr, sondern eine verwesende Kurleiche, die von indifferenten Verwaltern und anderen Bornierten schlecht parfümiert wird. An eine Konservierung ist nicht zuletzt aus Kostengründen nicht zu denken!

Aus Fozzos Polizeitagebuch: Der ehemalige Wildbader Polizeichef Neher ist gegenwärtig als Ausbilder lokaler Polizeieinheiten in der Türkei tätig. Ob die dortigen Kollegen bereits bemerkt haben, dass sie damit den Wildbader Bock zum muselmanischen Gärtner gemacht haben, war aus wohlunterrichteten Kreisen bisher nicht zu erfahren.

  • Autor: Fozzo
    E-Mail: redaktion@kalaschnikow.de
    Abfassungsdatum: 16.02. 2010
    Verwertung: Politmagazin Kalaschnikow
    Quelle: www.kalaschnikow.de
    Update: Berlin, 16.02. 2010

© 1995 - 2010 KALASCHNIKOW Maximilianstraße 3-4, 13187 Berlin - Kalaschnikow ISSN 1865-2662